Zorn und Naam Jap: Premanand Maharaj
Zorn und Naam Jap: Premanand Maharaj erklärt, wie das Rezitieren des göttlichen Namens die Wurzeln der Wut auflöst und inneren Frieden schenkt.

Der Zorn kommt, und sobald er da ist, zerstört er alles. Was nie im Herzen war, fällt plötzlich von den Lippen. Was über Jahre an Beziehung sorgsam gehütet wurde, trägt in einem einzigen Moment eine tiefe Wunde davon.
Was Shri Premanand Ji Maharaj zum Thema Zorn und Naam Jap (das Rezitieren des göttlichen Namens) gesagt hat, berührt nicht nur die Seele, sondern lässt sich auch unmittelbar im täglichen Leben anwenden.
Zorn und Naam Jap: Die wahre Wurzel der Wut ist das Begehren
Bruder, der Zorn entsteht nicht aus sich selbst. Er hat eine Mutter, und diese Mutter heißt Begehren.
Maharaj Ji bringt es mit einer schlichten, klaren Aussage auf den Punkt:
"क्रोध क्यों आता है? कामना से क्रोध आता है। जैसे हम चाहते हैं यह हो जाए और वो नहीं होता तभी क्रोध आता है। क्रोध की स्वयं की सत्ता नहीं।"
(Warum entsteht Zorn? Aus dem Begehren entsteht Zorn. Wenn wir wünschen, dass etwas geschehe, und es geschieht nicht, dann erwacht der Zorn. Der Zorn besitzt keine eigene Existenz.)
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Der Zorn ist also keine eigenständige Kraft. Dort, wo ein Wunsch auf Widerstand stößt, dort genau wird die Wut geboren. Zu Hause erwartet der Mann von der Frau, dass das Essen pünktlich auf dem Tisch steht. Vom Kind wird erwartet, dass es in der Schule die besten Noten bringt. Im Büro wünscht man sich Anerkennung vom Vorgesetzten. Und wenn auch nur eine dieser Erwartungen unerfüllt bleibt: Wut.
Aus diesem Grund hat die Bhagavad Gita (2.62–63) diese Kettenreaktion in unmissverständliche Worte gefasst:
क्रोधाद्भवति सम्मोहः सम्मोहात्स्मृतिविभ्रमः।
स्मृतिभ्रंशाद् बुद्धिनाशो बुद्धिनाशात्प्रणश्यति॥
(Aus dem Zorn entsteht Verblendung, aus der Verblendung das Versagen der Erinnerung, aus dem Versagen der Erinnerung der Verlust des Verstandes, und aus dem Verlust des Verstandes der völlige Untergang des Menschen.)
Vom Begehren zum Zorn, vom Zorn zur Verblendung, von der Verblendung zum Verlust der Erinnerung, vom Verlust der Erinnerung zur Zerstörung des Verstandes, und schließlich zum vollständigen Untergang. Eine Kette aus fünf Gliedern. Sie beginnt mit einem ganz gewöhnlichen Wunsch, den Patanjali in seinen Yoga-Sutras (2.3) als die Verunreinigung "Raga" (Anhaftung) bezeichnet hat.
Diese Kette beginnt nie mit einer großen Sünde, sondern stets mit einem kleinen, unerfüllten Wunsch. Den Zorn zu besiegen bedeutet daher in Wahrheit, das Begehren zu durchschauen, anstatt es theatralisch zu verleugnen.
Wenn die Wurzel klar erkannt ist, müssen wir verstehen, welch tiefen Schaden dieser Zorn unserer Seele zufügt.
Der spirituelle Schaden des Zorns: Warum er eine asurische Eigenschaft ist
Maharaj Ji nennt den Zorn keineswegs eine bloße Schwäche, sondern eine asurische, dämonische Eigenschaft. Das sechzehnte Kapitel der Bhagavad Gita zählt Begehren, Zorn und Gier zu den "drei Toren der Hölle" (त्रिविधं नरकस्येदं द्वारं नाशनमात्मनः, Gita 16.21) und ordnet sie eindeutig den dämonischen Tendenzen zu. Maharaj Ji sagt klar:
"क्रोध जो है, ये आसुरी प्रवृत्ति है। ये नाश कर देती है।"
(Der Zorn ist eine dämonische Wesensart. Er zerstört.)
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Sobald sich das Tor des Zorns einmal geöffnet hat, beginnt eine ganze Kettenreaktion: harte Worte, Beschimpfungen, manchmal sogar Handgreiflichkeiten. Im Zorn schwindet die innere Bhajan-Praxis, und die Freude des Herzens vergeht.
Doch was mich am tiefsten erschüttert, ist dieser Gedanke: Die Energie, die wir nach einem Wutausbruch stundenlang in Reue investieren, hätte ebenso gut in unser Naam Jap fließen können. Wir "machen" den Zorn nicht einfach. Wir verbrauchen unsere kostbare Zeit der Praxis. (Und in dieser Klarheit sagt es uns kaum jemand.)
Wenn jemand fragt: Was hat dir der Zorn dieser zehn Minuten am Ende wirklich eingebracht?
An dem Tag, an dem diese Rechnung im eigenen Inneren aufgeht, verändert sich auch die Motivation, dem Zorn Einhalt zu gebieten. Dann lautet die Frage nicht mehr: "Ist Zorn schlecht?" Stattdessen wird sie zu: "Warum sollte ich diesen so teuren Tausch eingehen?"

Mittel 1 — Naam Jap: Die Wissenschaft, schlechte Tendenzen an der Wurzel zu zerstören
Ein Suchender fragte Maharaj Ji einmal: "Während des Naam Jap nimmt mein Zorn ab, doch sobald ich aufhöre zu rezitieren, kehrt er stärker zurück." Maharaj Ji lobte ihn: "Du bist ein hervorragender Praktizierender!" Was er ihm dann erklärte, geht sehr in die Tiefe:
"नाम जप करते हुए जब तुम्हारे अंदर गलत वृत्ति आती है ना तो अंदर जो मन में गलत वृत्ति होती है, वो डिलीट होती है। वो नष्ट होती है।"
(Wenn während des Naam Jap eine falsche Tendenz in deinem Inneren aufsteigt, dann wird genau diese falsche Tendenz im Geist gelöscht. Sie wird vernichtet.)
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Naam Jap ist also kein Schmerzmittel, dessen Wirkung nach wenigen Stunden verfliegt. Es ist ein lebendiger Prozess. Dieser Prozess zerstört Schritt für Schritt jene falschen Tendenzen im Bewusstsein, die den Zorn überhaupt erst hervorbringen.
Ich glaube, wir betrachten Naam Jap zu oft als eine separate "Sitzung". Morgens praktiziert, dann ist Feierabend. Doch Maharaj Ji weist auf etwas anderes hin: Übe so, dass gar keine leere Zeit mehr übrig bleibt.
Das mag zunächst hart klingen. Aber "keine leere Zeit" bedeutet nicht, die alltäglichen Aufgaben aufzugeben. Es bedeutet vielmehr: Auch während der Arbeit fließt im Hintergrund des Geistes weiterhin "Radha Radha". Genau hierin liegt der entscheidende Unterschied.
Wie also rezitieren? Sobald der Zorn aufsteigt, beginne in genau jenem Moment innerlich mit "Radha Radha". Wenn du allein bist, sprich laut, bist du in einer Menschenmenge, dann lautlos im Inneren. Was auch immer die äußere Lage ist, der Faden des Naam Jap darf niemals reißen.
Neben dem Naam Jap gibt es zwei weitere unterstützende Mittel, die im Augenblick des Zorns sofortige Linderung bringen.

Mittel 2 — Schweigen und Ortswechsel: So verhinderst du, dass der Zorn auflodert
Maharaj Ji gibt eine völlig klare Anweisung:
"जिस समय क्रोध आवे जोर-जोर से राधा राधा बोलने लगो। क्रोध शांत हो जाएगा।"
(In dem Moment, in dem Zorn aufsteigt, beginne laut und kraftvoll "Radha Radha" zu sprechen. Der Zorn wird sich legen.)
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Und falls die Lage selbst durch das Naam Jap nicht zur Ruhe kommt, dann gibt es zwei weitere konkrete Schritte:
- Schweigen: Durch Sprechen wächst der Zorn, durch Wortgefechte wächst er noch schneller. Einfach still bleiben. Beiße notfalls die Zähne zusammen, doch halte deine Zunge im Zaum.
- Ortswechsel: Verlasse die Situation, in welcher der Zorn auflodert, augenblicklich. Maharaj Ji sagt: "Drehe dich sofort um, gehe zurück und entferne dich."
Drei Schritte. Mehr nicht.
Bleibe achtsam beim Atem. Selbst wenn du alles andere vergisst, bleibt der Atem im Bewusstsein. Er ist die einfachste Bremse, die uns der Körper zur Verfügung stellt.
Wo aus einem Wort ein Wortgefecht wird, dort kommt der Zorn mit Sicherheit. Sage daher, was zu sagen ist, und gehe weiter. Das Verharren kennt keinen Sieg.
Diese drei Mittel erfüllen im Grunde dieselbe Aufgabe: Sie schneiden dem Zorn den Sauerstoff ab. Sprache stoppen, Ort wechseln, Naam beginnen, und schon erlischt die Flamme der Wut.
Im Familienleben taucht jedoch eine feinere Frage auf. Ist es eine Sünde, wenn man im Kreis der Familie manchmal Zorn zeigen muss?
Familienleben: Der Unterschied zwischen gespieltem und echtem Zorn
Ein Schüler sagte einmal: "Maharaj Ji, Sie schimpfen auch mit Ihren Schülern. Ich verbrenne mich an meinem eigenen Zorn so sehr!" Maharaj Ji gab eine sehr praktische Antwort:
"क्रोध का नाटक करना और क्रोध होना, ये थोड़ा अंतर है।"
(Den Zorn zu spielen und vom Zorn ergriffen zu sein, das ist ein feiner, aber entscheidender Unterschied.)
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Um Kinder im Familienleben auf den rechten Weg zu führen, ist gelegentlich ein Schauspiel des Zorns notwendig. (Auch ich dachte früher, streng zu sein bedeute, im Inneren Bitterkeit zu hegen, doch genau diese Unterscheidung ist wesentlich.) Maharaj Ji sagt: Wenn Kinder nicht ein wenig Furcht empfinden, werden sie nicht den Pfad der Wahrheit beschreiten. Doch die Furcht darf nie so groß werden, dass die Kinder innerlich Distanz zu dir aufbauen.
Vier Situationen, in denen dieser Unterschied am deutlichsten sichtbar wird:
- Eltern schimpfen aus erzieherischer Verantwortung mit ihren Kindern: ein Schauspiel, keine Sünde.
- Mit Groll im Herzen schimpfen: das ist echter Zorn, und hier beginnt der Schaden.
- Ein Guru ist streng, um seinen Schüler zu formen: das ist Pflicht, keine Heuchelei.
- In der Familie fallen aus Unbeherrschtheit harte Worte gegenüber Älteren: das ist ein Bruch der Selbstdisziplin.
Es gibt nur einen einzigen Prüfstein: Außen mag der Zorn sichtbar sein, doch im Herzen muss der Friede bestehen bleiben. An dem Tag, an dem der Zorn das Herz wirklich betritt, beginnt das Schwinden der spirituellen Praxis.
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Schlussfolgerung: Die Verbindung mit der Spiritualität ist der wahre Weg aus dem Zorn
Der Zorn lässt sich nicht durch reine Willenskraft besiegen. Auch nicht durch bloße Vorsätze. Er wird allein durch Sadhana, durch echte spirituelle Praxis, überwunden.
Dieses Wort von Maharaj Ji bündelt die gesamte Lehre in einer einzigen Aussage:
"बिना अध्यात्म से जुड़े किसी का जीवन मंगलमय नहीं हो सकता।"
(Ohne eine echte Verbindung zur Spiritualität kann das Leben eines Menschen nie wahrhaft glückselig werden.)
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In dem Maße, in dem das Begehren abnimmt, schwindet auch der Zorn ganz von selbst. Und das Begehren schwindet. Allein durch Naam Jap.
Ein kleiner Vorsatz für heute: Wann immer der Zorn aufsteigt, beginne in genau diesem Augenblick "Radha Radha" zu rezitieren. Beiße die Zähne zusammen. Und gehe weiter. Mehr ist für den Anfang nicht nötig.
Radhe-Radhe.
Quelle: कुछ भी काम गलत हो जाता है तो बहुत क्रोध आता है, मैं क्या करूँ ? Bhajan Marg
Dieser Artikel ist eine Sammlung aus den Satsangs von Shri Premanand Ji Maharaj. Das Originalvideo ist im obigen Link verfügbar. Alle Bilder in diesem Artikel sind digital erstellt.
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Unabhängiger Autor, jaapak.com
Ich habe die Jaapak-App entwickelt. Ich schreibe in einfachem Hindi über die Bhagavad Gita und die Satsang-Tradition.
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